Landschaft des Jahres 2003-2004: Das Lebuser Land

Kaum jemand wird es vermuten: In der Gegend nördlich von Frankfurt an der Oder wurde früher Wein angebaut. Ja, sind denn dort Berge? Überzeugen Sie sich selbst: Berge gibt es. Und sie erheben sich so hoch über das flache Land an der Oder, dass der Blick sehr weit bis nach Polen hinein schweifen kann.

Da sind zum Beispiel die Oderhänge nahe dem Städtchen Lebus und dem Dorf Mallnow. Sie ziehen jedes Jahr viele Naturliebhaber an. Im zeitigen Frühjahr blühen hier die Adonisröschen zu einem gelben Teppich auf. Auch die Küchenschelle, das Sandfingerkraut und andere Frühjahrsblüher lassen sich blicken. Eigentlich handelt es sich um südeuropäische Steppenpflanzen. In nördlichen Breiten sind sie selten zu finden. Sie brauchen eben die warmen Hügel im Lebuser Land, auf denen bis ins 17. Jahrhundert der Wein gedieh.

Die „Naturfreunde Internationale“ haben die Region Lebuser Land / Ziemia Lubuska beiderseits des deutsch-polnischen Grenzflusses Oder zur Landschaft des Jahres 2003/2004 gekürt. Die Wahl fiel damit auf eine Landschaft, in der es noch zahlreiche Pflanzen- und Tierarten gibt, die ansonsten in Europa vom Aussterben bedroht sind. So gelten die feuchten Täler der Oder und der Warthe als international bedeutsame Vogelschutzgebiete. Und auch das sanfthügelige Areal mit seinen vielen Seen, das sich westlich der Oder erstreckt, ist eine ideale Gegend für Wanderungen und Radtouren.

Wer will kann auch die Spuren einer interessanten Historie entdecken. In Lebus zum Beispiel kreuzten sich große europäische Handelsstraßen. Der Name des ursprünglichen Bistums Lebus geht vermutlich auf den Stamm der Leubuzzi zurück, der dieses Gebiet um 900 besiedelte. Nach Ende des Bistums hat sich der Name der Region mehrmals verändert. Der Ort wurde sogar zur Bischofsstadt mir einer gewaltigen Kathedrale, an deren Platz heute die Lebuser Kirche steht. Sehenswert ist übrigens auch die Kirche des Dorfes Reitwein am Fusse des Höhenzuges „Reitweiner Sporn“. Das neogothische Bauwerk wurde Mitte des 19. Jahrhunderts nach Entwurf August Stülers errichtet. Theodor Fontane war von dieser Kirche in romantischer Lage so beeindruckt, dass er sie selbst gezeichnet hat.

Quelle: Ferienzeitung