Fischers Nixe
In alten Zeiten glaubte man an Geister und Sagengestalten.
Hier im Oderbruch waren es naturgemäß Wassergeister,
die ihr Unwesen trieben. Zu ihnen gehörten, der bärtige
Odergott, die Seerose und besonders die Odernixe. Man gab diesen
Fabelwesen Tier-, Pflanzen- oder Menschengestalt. Die Odernixe
wurde stets als langhaarige, vollbusige Wasserjungfrau dargestellt.
Mit halbem Körper tauchte sie aus dem Wasser, kämmte
ihr glänzendes Haar und liebte Gesang und Tanz. In den Sagen
erschien sie auch in menschlicher Gestalt zu den Tänzen des
Landvolkes. Manchmal hatte sie auch einen Spiegel in der Hand,
mit dem sie die Fischer blendete. Man machte sie für den
legendären Fischreichtum des Bruches ebenso verantwortlich
wie für die zerstörerische Wirkung der Oderfluten. Als
Dämon sowohl des Guten als auch des Bösen wurden ihr
magischen Kräfte zugeschrieben.
Keine Nieten
Im Oderbruch fallen die vielen einzeln in der Feldmark
stehenden Hofstellen auf und man fragt sich Warum haben
die Menschen abseits der Ortschaft gebaut? Im 19. Jahrhundert
setzte sich der Gedanke zur Flurbereinigung (Separation) durch.
Diese war notwendig geworden, um die vielen kleinen Flächen,
die ein Bauer hatte, zusammenzulegen und so die teilweise großen
Entfernungen und den damit verbundenen Bewirtschaftungs-aufwand
zu verringern. Kommissionen wurden eingesetzt, die die Feldmark
neu vermaßen und die Bodenwertigkeit bestimmten. Diese Flurstücke
wurden durch das Los (die damalige Rechtschreibung = Loos) bestimmt.
Dort bauten die Bauern ihre Wirtschaft neu auf. Anschließend
erfolgte die Ortsbezeichnung, so dass noch heute die Einzelsiedlungen
im Zusammenhang mit der Gemeinde z. B. Zechiner Loose bezeichnet
werden.
Sagenhaftes Schloss
Falkenhagen wurde 1313 als ein von Burgmannen
besetztes Schloss erstmals erwähnt. Die Sage erzählt,
warum es die Burg nicht mehr gibt: Ein gewaltiger Tumult ließ
alle Bewohner fliehen. Ein kleines Kind blieb in der Aufregung
zurück. Als die mutigsten Männer es nach einiger Zeit
holen wollten, lag es in seiner Wiege. Ein Bein war so verdreht,
dass die hintere Seite nach vorn stand. Niemand betrat seither
die Burg, die schließlich verfiel.
Oderbruch-Kartoffel
Die Geschichte Letschins ist eng mit dem Wirken
Friedrichs des Großen, des Ollen Fritz verbunden.
Nach der Trockenlegung des Bruches entwickelte Letschin fast Kleinstadtcharakter.
Neben Handwerk und Gewerbe brachte der fruchtbare Boden die Landwirtschaft
zum Blühen. Friedrich II. war es auch, der nicht nur im Oderbruch
sondern in ganz Preußen den Kartoffelanbau einführen
wollte. Doch hatte er nicht mit der Sturheit seiner Untertanen
gerechnet. Nach dem Motto Wat de Bure net kennt, det fritt
e nit, weigerten sich die Bauern entschieden. Abergläubisch
wie sie waren gehörte doch wohl schließlich das, was
unter der Erde wächst dem Satan. Aber Friedrich war genau
so stur und bediente sich letztendlich einer List. Einen mit Kartoffeln
bestellten Acker ließ er von Dragonern bewachen. Neu
gierig gewordene Bauern stahlen die Erdäpfel und kamen über
eine Reihe von Misslichkeiten endlich auf den Geschmack. Heute
kann man sich unsere Speisekarte ohne die Nudel, wie
die Kartoffel hier auch genannt wird, nicht vorstellen.