Krumme Deiche
Während der Fahrt auf dem Oderdamm wird sich so mancher
fragen: Warum sind die Dämme so krumm? Der Erzählung
nach ist das so gekommen: Friedrich II. hatte eine Kommission
eingesetzt, die die Vermessung des neu gewonnenen Oderbruchlandes
vornehmen sollte. Einmal war er selbst dabei und wollte bestimmen,
wo die Deiche hinkommen sollten. Da er aber an diesem Tag nicht
recht fest auf den Beinen stand, weil er vorher zu viel getrunken
hatte, wackelte er immer von einer Stelle zur anderen, und immer,
wenn er seinen Krückstock aufsetzte, sagte er: Hier
kommt er hin, da kommt er hin! Daher sind heutzutage die
Oderdämme nicht ganz gerade.
Langer Atem
In der Nähe der Oder zwischen Sydowswiese
und Genschmar befindet sich der Garnischberg, der mit 16,2,
m die höchste Erhebung im Oderbruch ist. Eine Sage erzählt
vom Schicksal eines heidnischen Prinzen, der sich taufen ließ
und sich so den Hass seiner Untertanen zu zog. Er musste fliehen
und wurde vom Christengott im Garnischberg versteckt. Dort sitzt
er heute noch. Wem es gelingt dreimal um den Berg zu laufen, ohne
zu atmen, kann den Prinzen erlösen.
Zornige Schöne
In der Johannisnacht Punkt 12 Uhr lässt sich auf den
Hornschen Berge bei Ortwig alljährlich eine schöne,
junge Frau sehen. Ein langer weißer Schleier verhüllt
ihre Gestalt, auf ihrem Haupt trägt sie eine strahlende Krone.
Von ihr geht die Sage, sie sei eine verwunschene Prinzessin. Kommt
jemand um diese Zeit zufällig des Weges daher, muss er die
weiße Frau unaufgefordert dreimal um den Berg tragen. Dann
ist sie erlöst. Tut er das nicht, wird sie sehr zornig. Entweder
dreht sie ihm das Genick um oder sie schleppt ihn mit sich in
die Berge hinein. Er sieht das Licht der Sonne nie wieder. Daher
hüten sich die Leute der Umgegend sehr, in der Johannisnacht
die Hornschen Berge zu betreten.
Teufelswerk Eisenbahn
Warum hat das große Oderbruchdorf Neuhardenberg
keinen Bahnanschluss? - Die Wege im Bruch waren in teilweise
schlimmen Zustand. Erleichterung brachte die große
Chaussee, die 1855 von Wriezen nach Küstrin gebaut
wurde. Die Eisenbahn plante die sogenannte Ostbahn über Hardenberg
nach Küstrin zu leiten. Dieses Vorhaben scheiterte am Widerstand
des Grafen und seinen Hardenbergern. Wir brauchen keine
Eiserbahn. Wir wollen nicht gefahren sein. Viele
wussten sogar, dass der Teufel in dem feurigen Gefährt steckt
und das Weltenende nahe ist.
Literaturhinweise
- Theodor Fontane, "Wanderungen durch die Mark Brandenburg",
"Das Oderland"
- Konrad Gründler, "Sagen, Geschichten und Schnurren
aus dem Kreis Seelow"
- DEWAG Frankfurt (Oder), "Sagen und Geschichten aus dem
Bezirk Frankfurt (Oder)"
- Dr. R. Schmoock, "Märkisch-Oderland", "Das
Oderbruch - ein Land zum Leben"
- Ernst Tietz, "Geschichten aus dem Oderbruch